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Business 'allein' hält die Europäer nicht zusammen

TERESA KÜCHLER

05.12.2007 @ 09:44 CET

EUOBSERVER / BRÜSSEL - Der EU Kommissar für Kultur, Jan Figel, hat sich ein neues Ziel auf die Fahnen geschrieben: die Förderung des Dialogs zwischen den Kulturen innerhalb und außerhalb der Europäischen Union.

In einem Interview mit EUobserver erklärt er, warum - ungeachtet der vergangenen und

Auf den Dialog sind die Regeln der Mathematik nicht anwendbar. Im Dialog ist eins plus eins mehr als zwei, sagt Jan Figel. (Photo: European Commission)

gegenwärtigen kulturellen Zusammenstöße auf EU-Boden - die Zeichen für eine Diskussion über kulturelle Werte gut stehen.

"Die EU ist das einzige 'geopolitische Novum', das sich auf den Respekt der kulturellen Vielfal in der Welt stützt und solcherart ein attraktives Modell zur Nachahmung bietet," äußerte der slowakische Kommissar vor der offiziellen Vorstellung des "Europäischen Jahres des interkulturellen Dialogs" am 4. Dezember.

Mit einem Budget von 10 Millionen € werden in 2008 eine Reihe von Gemeinschaftsprogrammen in den Bereichen Kultur, Bildung, Jugend, Sport und EU-Bürgerschaft auf den Weg gebracht werden. Ziel ist es, die europäischen Völker und ihre jeweiligen Kulturen näher zusammenzuführen.

"Zum Bau der EU musste man mit einfachen Materialen und Gegebenheiten beginnen: Kohle und Stahl, dann der Binnenmarkt ... Aber die Europäische Union heute ist eine reifere Gesellschaft; wir stimmen alle darin überein, dass Märkte oder Business allein Völker nicht zusammenhalten können," so der Kommissar.

"Europa sollte eine Völker- und Wertegemeinschaft sein," machte der Kommissar deutlich und stellte die eher widersprüchliche Idee vieler Kulturen, die eine Einheit ausmachen und darin doch eigenständig bleiben, als Vorteil heraus.

"Wir leben zusammen in einem europäischen Haus mit einem Mosaik aus Steinchen. Die Ähnlichkeiten erkennt man am besten aus der Distanz, von anderen Teilen der Welt aus," erklärte er.

'Chopin ist keine Bedrohung'

Zurückgreifend auf seine eigenen Erfahrungen, erläuterte Kommissar Figel, dass vor der EU-Osterweiterung 2004 sehr viel Wissens- und Vertrauenslücken zwischen dem ehemaligen Osten und Westen geklafft hätten.

"Der ehemalige Westen betrachtete den Osten nicht mit demselben Interesse wie umgekehrt. Als meine Tochter vor einigen Jahren an einem Austauschprogramm mit Frankreich teilnahm, wurde sie gefragt, ob wir zu Hause fließendes Wasser hätten und ob sie jemals einen Wasserhahn gesehen hätte," erzählte Figel.

Er fügte hinzu, dass die Furcht vor dem "polnischen Klempner" - das heißt die Angst der westlichen Länder vor Arbeitsmarktverzerrung und Lohndumnping durch massiven Zustrom von Osteuropäern – allem Anschein nach eher auf der "Angst vor dem Anderen" als auf tatsächlichen wirtschaftlichen Überlegungen beruht hätte.

"Chopin ist keine Bedrohung", führte Figel scherzhaft den polnischen Komponisten des 19. Jahrhunderts ins Feld.

"Erweiterung war Teil der Lösung, nicht das Problem. Erweiterung hat die Union europäischer gemacht", fuhr der Kommissar fort. Allerdings musste er zugeben, dass das Misstrauen zwischen den einzelnen (Volks-)Gruppen in der EU noch nicht ganz verschwunden ist, wie die Diskriminierung der Roma in vielen Teilen der EU oder das Erstarken extremistischer, fremdenfeindlicher politischer Gruppierungen zeigt.

Religiöser Dialog

Die Initiative der Kommission, den eher abstrakten Begriff der Kultur ins Zentrum europäischer Politik zu stellen, folgt auf einige turbulente, von Zusammenstößen zwischen ethnischen und religiösen Gruppen geprägte Jahre, wobei die Konflikte sowohl innerhalb der EU als auch zwischen dieser und dem Rest der Welt eskalierten.

"Nach der Erweiterung und in Zeiten der Globalisierung und der wachsenden Migration sind so genannte 'multikulti' Wirklichkeiten sehr sichtbar," erläuterte Figel unter Zuhilfenahme eines populären deutschen Ausdrucks für multi-ethnische Gemeinschaften.

"Und in vielen Fällen sind wir Zeuge von schwierigen, problematischen oder sogar konfliktgeladenen Äußerungen dieser Wirklichkeiten geworden," sagte Figel mit Blick auf das Aufbegehren, das 2005 nach Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung durch die muslimische Welt lief.

So mancher EU-Beamte hat seither einen "völlig neuen Dialog" zwischen der EU und der muslimischen Welt gefordert.

Andere halten die Methode des Dialogs in der Auseinandersetzung mit Gegnern der Meinungsfreiheit für zu nachsichtig.

"Dialog ist nicht ein Zeichen von Schwäche, sondern von Reife", hielt Figel als Antwort parat.

Das Ziel solch eines Dialogs sei nicht, sinnbildlich die eigene weiße Weste zu loben und gleichzeitig mit dem Finger auf Muslime zu zeigen, schloss der Kommissar.